Keine Angst vor Strahlen!

Prof. Dr. med. Lorenz Trümper*


„Die Therapie mit Yttrium-90-Ibritumomab ist so sicher, dass es keine Notwendigkeit gibt, den Patienten über Tage hinweg stationär zu behalten.“

Weil man Strahlen weder sehen, riechen oder hören kann, haben viele Patienten eine unergründliche Angst vor schädigender Strahlung – doch auch hier gilt wie in allen anderen medizinischen Bereichen: erst die Dosis macht das Gift!

Elektromagnetische Strahlung (Licht, Wärmestrahlung, Röntgen- bzw. Gammastrahlung) sind Teil der Natur, und Nutzen und Schaden stehen sich ständig polar gegenüber. So brauchen wir Menschen zum Funktionieren vieler Stoffwechselvorgänge einerseits die Strahlung des Sonnenlichts, andererseits kann ein Zuviel schädliche Auswirkungen haben.
Durch den natürlichen radioaktiven Zerfall der Erdstrahlung sind Mensch und Natur seit jeher natürlicher Strahlung ausgesetzt. Manche Gegenden überschreiten sogar die gültigen Strahlenschutzgrenzwerte, so sind Menschen, die z.B. in den südamerikanischen Anden auf einer Höhe von mehreren tausend Metern über dem Meeresspiegel leben, oder die Bewohner Südindiens (Kerala), einer relativ hohen natürlichen Strahlung ausgesetzt.

Wissenswertes über die Nuklearmedizin

Die Nuklearmedizin verfügt über eine mehr als 50-jährige Erfahrung im Umgang mit den verschiedensten Diagnose- oder Behandlungsverfahren, bei denen radioaktive Arzneimittel zum Einsatz kommen. In Deutschland ist darunter die Schilddrüsendiagnostik und –therapie am bekanntesten.
Die verschiedenen Arten der Strahlung unterscheiden sich in ihrer Schwingungsfrequenz: Die bei der Radioimmuntherapie mit Yttrium-90 genutzte Beta-Strahlung ist eine energiereiche Strahlung mit kurzer Reichweite, die durch den Zerfall von Atomkernen entsteht.
Radioaktive Arzneimittel bestehen in der Regel aus einem Radioisotop – einem radioaktiven Teilchen mit kurzer Halbwertzeit, und einer Substanz, an die es gekoppelt ist. Grundsätzlich gilt bei jeder medizinischen Strahlenanwendung, die Dosis so gering wie möglich zu halten.
Auch bei der RIT ist die Strahlendosis so niedrig dosiert, dass sie weder für den Patienten selbst noch für Menschen oder Tiere, die sich in seinem Umfeld aufhalten, gefährlich werden könnte. Denn am Zielort – also im Körperinneren an den Lymphomherden angekommen – reicht die Strahlung bei der RIT nur 5mm weit; außerdem hat das Radioisotop Yttrium-90 eine Halbwertszeit von nur 64 Stunden (= Zeit in der die Hälfte eines Stoffes im Körper abgebaut wird). Das ist auch der Grund, warum die RIT mit Yttrium-90 ambulant durchgeführt werden kann, d.h., der Patient darf sofort nach der Injektion wieder nach Hause gehen.
*Medizinforum Aktuell Nr. 343

To Top

Schriftgröße

-
1
2
3
+
anpassen


Werkzeuge